Visionen 03/2007

Windows Vista

Microsoft hat nach jahrelanger Entwicklung am 30. Januar ihr neuestes Betriebssystem, Windows Vista, veröffentlicht. Da ich bereits letztes Jahr einen Computer mit ausreichender Power zusammengebaut habe war für mich klar, dass ich mir Windows Vista besorgen werde.

Es war gar nicht so leicht in der Schweiz eine OEM Version von Vista Ultimate zu bekommen. Als ich endlich die DVD in Händen hielt, begann ich sofort mit der Installation. Installiert habe ich die 64bit Version. Um einen ungetrübten Eindruck von Vista zu erhalten, installierte ich Vista auf einer leeren Partition. Die Installation ging recht schnell vonstatten.

Was natürlich als erstes getestet werden musste ist die neue grafische Oberfläche. Ich denke, nicht zu Unrecht ist es das Feature das wohl am meisten Aufsehen erregt hat. Natürlich gibt es dieses Feature auch schon bei MacOS oder auch mit XGL unter Linux aber in der Windowswelt ist das etwas vollkommen neues. Da meine Grafikkarte über die nötige Power verfügt ist das Arbeiten mit den Transparenten Fenstern ein absoluter Genuss. Ganz abgesehen von ästhetischen Gesichtspunkten fühlt sich das Arbeiten unter der neuen Oberfläche deutlich flüssiger an. Ab und zu schaltet sich der Aero Glass Modus ab. Beispiele dafür sind der VLC Player oder aber auch der MP4 Codec aus dem K-Lite Codec Pack. Das ist zwar schade, aber das Umschalten geht zumindest sehr schnell.

Als passionierter Gamer war das nächste die Installation von UT 2004. Die Installation in ein Verzeichnis auf ein anderen Festplatte ging ohne Probleme. Was mich am meisten interessierte, war ob der Wechsel zwischen Spiel und Desktop nun einfacher klappte. Und in der Tat ist so ein Taskswitch problemlos möglich, selbst die Darstellung in der 3D-Flipview war möglich inklusive Realtime-Inhalt.

Sowohl UT als auch Steam-Spiele wurden korrekt in die Spieleansicht von Vista eingefügt. Dort wird automatisch das Bild vom Cover eingefügt inklusive PEGI-Rating, Hersteller usw.

Des weiteren installierte ich u.a. WinAmp, FireFox, Thunderbird, Miranda-IM, Skype, Visual Studio 2005. Kleinere Probleme gab es beim WinAmp, Miranda und Visual Studio. WinAmp hat ein Problem mit einer DLL, was den normalen Betrieb aber nicht stört. Bei Miranda war nicht ganz einfach die History zu importieren, da sich die Verzeichnisstruktur von Windows verändert hat und bei Visual Studio warnte es mich vor dem Start dass ein bekanntes Problem existiert, da ich Visual Studio aber als Administrator ausführte (Rechtsklick als Administrator ausführen) bekam ich davon nichts mit. In der Zwischenzeit gab es bereits ein Update von Visual Studio und ich hoffe damit sind alle Probleme beseitigt.

Danach habe ich mich etwas mit der Systemsteuerung auseinandergesetzt: die Systemsteuerung hat wieder einmal eine neue Anordnung der Elemente, diesmal habe ich aber nicht versucht auf die klassische Ansicht zu wechseln. Die neuen Gruppierungen sind sinnvoll, und da viele neue Funktionen hinzugekommen sind, wie z.B. die Einstellungen für den Explorer, macht es auch wenig Sinn die alte Ansicht zu benutzen. Im Systemsteuerung ist mir dann aufgefallen, dass ein Teil meiner Hardware nicht erkannt wurde. Zum einen war dies meine Webcam und die Bluetooth Tastatur und Maus von Logitech, zum anderen der Wireless AP von meinem Motherboard. Nach kurzer Suche im Internet war das Problem mit Tastatur und Maus relativ schnell gelöst. Leider war das Problem mit der Webcam nicht so leicht zu lösen, da Logitech offensichtlich keinen Support für ältere Webcams liefert, und so wie es aussieht auch nicht vorhat diese Treiber nachzuliefern. Allgemein hat Logitech eine ganz schlechte Figur gemacht, auch die Treiber für Tastatur und Maus waren ziemlich unbrauchbar. Zwei der Tasten waren nicht korrekt zu programmieren und die angebliche Spielefunktion hatte weder in UT noch Steam einen nutzen.

Was bei Vista positiv auffiel, wenn ein Programm manchmal nicht mehr reagierte bemerkte es Windows meist früher als ich, und bot mir an das Programm sofort zu schließen. Im Gegensatz zu Windows XP war dieses "sofort" auch wörtlich zu verstehen. Trotzdem gab es auch Gelegenheiten in denen der Taskmanager wieder eine schlechte Figur abgab, genau wie auch der zugriff auf Diskettenlaufwerk A. Subjektiv dauert es nicht mehr ganz so lange wie früher das der Computer wieder voll funktionsfähig ist nach dem man auf Laufwerk A gedrückt hat, trotzdem scheint  der PC immer noch einzufrieren dabei.

Die meisten Programme ließen sich ohne Probleme auf Windows Vista ausführen, leider gab es eine für mich nervige Ausnahme: TrueCrypt. Dieses sehr praktische Verschlüsselungtool hat extra die Warnung auf deren Hompage, welches davor warnt dass Vista nicht unterstützt wird. Ich hoffe das wird sich in den nächsten Wochen ändern, im Moment ist es aber nicht zu gebrauchen.

UAC - User Account Control. Eingefleischte Admin Nutzer, oder standhafte root Benutzer werden sich kaum mit dem neuen UAC anfreunden können. In der Tat selbst User welche in der Admin Gruppe eingetragen sind dürfen viel Dinge doppelt bestätigen, da man erst zum Admin werden muss. (ein sudo sozusagen) Manchmal kann dies wirklich nerven, schlussendlich sind wir aber alle froh das Windows nun nicht mehr Standardmässig jeden User als Admin annimmt. Für Programmierer interessanter ist z.B. auch, dass Programme die in einem Kontext ausgeführt werden nur noch Nachrichten an Programme in im gleichen oder weniger Privilegierten Kontext schicken dürfen. Auch wird Software nun dazu "gezwungen" Mehrbenutzerfähig zu werden, selbst Software die nie dafür gedacht ware, durch virtuelle Ordner im User Verzeichnis (vergleichbar zu /home/). Auch hier überwiegen die Vorteile bei weitem die Nachteile von UAC.

Neue Features:

Wovon ich ganz begeistert war, ist das neue Startmenü, man gibt unten einfach ein paar Zeichen ein und kriegt sehr schnell das Programm dass man eigentlich will und ist deutlich schneller als früher beim durchhangeln durch die Menus.

Auch sehr spannend ist ein Tool das sich gerade jetzt verwende: Spracheingabe. Es ist nicht das erstemal das sich Spracherkennung ausprobieren, aber es ist das erste Mal dass ich finde das es teilweise sinnvoll zu gebrauchen ist. Beim diktieren Macht des zwar immer noch einige Fehler, aber zum Steuern des PCs reicht es allemal. Mit "Team Speak starten" und "Miranda starten" bin ich noch schneller als wenn ich das neue Menu verwenden würde. Auch Ein surfen im Firefox macht damit ziemlich Spass, im Forum einfach sagen: "Witze" und man kommt direkt in den Witzethread, und um auf die letzte Seite zu gelangen muss man nur einmal "letzte" sagen.

Im Internet gibt es zwar bereits einige witzige Stories über die Spracherkennung, und es ist wahrscheinlich nicht für jedermann geeignet und zum Programmieren schon gar nicht aber für einige Funktionen will ich es bereits nicht mehr missen.

Zur Kategorie "nutzlos aber lustig" gehört auch das neue Ultimate-Extra "Dream Scene": Wallpapers waren gestern, heute kann man sich Videos auf den Desktop klatschen. Es gibt bereits einige schöne Videos für den Desktophintergrund, für den Wow-Effekt dürfte damit gesorgt sein. HDTV sollte es aber schon sein!

Insgesamt möchte ich auf keinen Fall zurück wechseln auf XP. Das hat zum einen damit zu tun das es einige wirklich schöne Neuerungen gibt zum anderen gibt es keine wirklichen Nachteile. Vista ist ein sehr schön abgerundetes Produkt. Es gibt viele kleine detailverliebte Neuerungen die man nicht im Einzelnen aufzählen kann, darunter gehören: die nett gemachten "Minianwendungen", die Fotogalerie mit Tagging, Bewertungen und Sortierungen, Foldericons mit Vorschau auf Inhalte im Ordner und Unterordner, Lautstärke pro Anwendung um nicht zu vergessen "BitLocker" zur Verschlüsselung der Systemfestplatte. Dies funktioniert im übrigen auch ohne TPM-Chip (Trusted Platform Modul), was häufig unter den Tisch fällt wenn man davon hört.

Die Unterstützung wird in Zukunft sicher noch besser werden, und wenn die Ersten DirectX 10 Spiele auf dem Markt erscheinen, wird sich der Umstieg noch einmal mehr lohnen.

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