Visionen 12/2006

Virtual Machines

>qemu -hda "Virtual Machines.img"

Herr Durchschnittsschweizer hat wohl etwa 1.8 Kinder, der Durchschnittsinformatikstudent wohl eher 1.8 Computer. Trotzdem kann man nie genügend Betriebssysteme installiert haben. Multiboot ist aber von vorgestern, immerhin hat selbst Windows in der Zwischenzeit einen anständigen Bootmanager gleich integriert. Probleme dürften also äusserst selten auftauchen.

Da klingen Virtuelle Maschinen doch schon viel spannender, wenn man sich seine 42 PCs nicht leisten kann dann emuliert man sich diese eben. Das Prinzip von Virtuellen Maschinen ist den meisten noch geläufig, im Prinzip simuliert eine Virtual Machine einfach einen Prozessor. Es kommt im Prinzip nicht darauf an was für eine richtige Hardware drunter läuft. So kann man sich seinen PowerPC auch auf einem x86 laufen lassen, oder umgekehrt, wenn man das denn unbedingt wünscht.

Darüber hinaus gibt es auch Virtuelle Maschinen welche das ganze optimieren weil man einen x86 auf einer realen x86 Hardware laufen lässt. Trotzdem wird der Simulierte Rechner immer etwas langsamer sein als die reale Maschine. Also warum will man sowas überhaupt?

Vielleicht möchte man sein altes DOS Game doch mal wieder spielen auch wenn das aktuelle OS das nicht mehr zum laufen bringt, das Austesten von (heruntergeladener) Software kann damit in einer sicheren Umgebung stattfinden und zerstört im schlimmsten Falle das virtuelle System und nicht mehr. Und zu guter letzt ist Virtualisierung auch für Firmen praktisch die gerne ihren Server mehrmals verkaufen (vServer).

Virtuelle Maschinen gibt es eine ganze Menge: Microsoft, AMD, Sun, VMWare, Universitäten, alle möchten sie ihre Virtual Machine an den Mann bringen. Die Fähigkeiten der VMs variieren aber sehr stark. Manche laufen praktisch auf jedem modernen Betriebssystem und können unterschiedlichste Betriebssystem Hosten, sogar von und für unterschiedlichste Hardware, andere sind da sehr eingeschränkt.

Die bekanntesten VMs sind sicherlich Microsoft Virtual PC, VMWare, QEMU, Bochs und Xen. Microsofts Virtual PC ist seit letztem Jahr gratis erhältlich, VMWares kleinstes Produkt "VMWare Player" musste dem natürlich gleich ziehen, ist also auch kostenlos zu haben. QEMU, Bochs und Xen dagegen sind alle als GPL oder LGPL erhältlich. Was dem Benutzer aber schlussendlich egal sein wird.

In der Theorie klingt das alles wunderschön, aber funktioniert es auch wie versprochen?

VMWare bietet x86 und AMD64 Virtualisierung an, und als Platzhirsch auf dem Virtualisierungsmarkt ging ich davon aus das alles Problemlos klappen würde. Um den kostenlosen "VMWare Player" zu erhalten musste ich erst eine Umfrage über mich ergehen lassen. Die Installation klappte Problemlos, und auch das starten des schönen runden Fensters ging leicht von der Hand. Auf einer Homepage liess ich mir ein konfiguartionsfile für Linux erstellen und gab dem OS 4GB Platz. Das OS meiner Wahl war ein Debian Etch. Nachdem die CD eingelegt war, hat VMWare auch direkt davon gebootet. Und ich war wirklich schon ziemlich begeistert. Leider hing sich VMWare danach aber regelmässig bei der Erkennung des CDROMs auf, und zwar so, dass ich den PC mit dem Hardwaretaster ausschalten musste. Versuch gescheitert.

Das war wirklich nicht das was ich erwartet hatte. Als ich dann QEMU für Windows herunterlud war mir schon mulmig weil gewarnt wurde, dass die Windows Version ein paar Macken hat. Doch die Installation (zip-Datei entpacken) war sehr schnell erledigt. QEMU starten, mit dem Beispiel OS das bereits mitgeliefert wird, verlief problemlos. Da aber dieses Minilinux nicht mal ein mkdir oder touch kannte, las ich die Kurzinstallationsanleitung um mir ein eigenes OS aufzusetzen. Die Anleitung half, doch nach einem Start von QEMU sah ich zwar ein CD-ROM Laufwerk, aber davon gebooted wurde nicht. Ich habe in den FAQ's nachgeschaut und diese beantworteten meine Frage fast auf Anhieb.

Debian Etch zum Zweiten:

Die Hardwareerkennung lief diesmal auch über das CD-ROM Laufwerk hinweg, und kurze Zeit später erschien der Grafische Installer. Eine Stunde später war alles installiert, das herunterladen der Pakete über das Netzwerk klappte und am Schluss konnte ich mich endlich einloggen. Und auch Gnome startete Problemlos, wenn auch etwas langsam.

QEMU benutzt dynamisches neu kompilieren um die Hardware zu simulieren, was QEMU recht langsam macht (10% - 20% von Realtime) VMWare sollte da ziemlich nah an Realtime kommen, den unterschied konnte ich leider nicht testen, aber bei QEMU fällt dies trotzdem bereits negativ auf.

Richtig interssant war dann ein "cat /proc/cpuinfo". Offensichtlich wird ein Pentium II simuliert, aber die MHz Anzeige ist von meinem Core Duo. Damit habe ich einen Pentium II mit 2.7 GHz. Leider unterstützt QEMU auch kein SMP (symmetric multiprocessing) womit eine CPU gelangweilt sein wird. Also schnell eine zweite Instanz von QEMU gestartet. Obwohl apt-get noch am arbeiten war, kam auch das zweite System mit der selben virtuellen Disk Problemlos hoch.

Wie Sinnvoll virtualisierung wirklich ist muss jeder selber für sich selbst entscheiden, die Auswahl an kostenlosen Möglichkeiten ist vorhanden, und die Bedienung ist in den meisten Fällen Problemlos.

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