Visionen 07/2003

I feel Freenet - Zurück zum Chaos

Das Internet als chaotischer, anarchischer Tummelplatz. Lange Zeit war dem wirklich so. Doch das Internet wird immer mehr reguliert, oder man versucht es. China baut “the great Fire Wall”, die USA haben ihren DMCA (Digital Millenium Copyright Act), die Deutschen indizieren wild irgendwelche Spiele und in der Schweiz meinen Untersuchungsrichter Druck auf Provider ausüben zu können.
Im Angesicht dieser mehr oder minder erschreckenden Erkenntnis kann man sich fragen, was man denn eigentlich dagegen tun kann. Freenet verfolgt genau dieses Ziel. Freier Zugang zu jedwedem Inhalt. Es gibt einige Prinzipien, die da gelten.

  • Keiner darf erfahren wer einen Inhalt eingefügt hat.
  • Keiner soll erfahren, was jemand sich angeschaut hat.
  • Inhalt soll nicht zensierbar sein.
  • Das Netzwerk soll nicht angreifbar sein.

Dieses Ziel haben sie grösstenteils erreicht. Aber man muss sich klar sein, dass man für diese Anonymität bezahlen muss. Und man zahlt mit einer extrem hohen Latenzzeit.
Wer sich bei Games bei Pings über 40ms aufregt, wird von Freenet begeistert sein. Es kann durchaus sein, dass man auf einen kleineren Block wie etwa eine HTML-Seite mehrere Minuten warten muss. (wenn die Seite nicht sehr beliebt ist auch länger).
Die Bandbreite ist davon eigentlich nicht sonderlich betroffen, es dauert ein Weilchen bis ein Filedownload richtig anfängt, aber wenn er erst mal durchstartet kann eine DSL-Leitung schnell mal ausgelastet oder sogar überlastet sein, wenn man gut ins Netz integriert ist.
Freenet ist so aufgebaut, dass die Nodes möglichst rund um die Uhr Online sind. Die Software ist zwar so ausgelegt, dass man auch nur “transient”, also nur eine kurze Dauer mit Freenet Online gehen kann. Aber das ist nicht der Sinn. Wenn man es trotzdem macht, wird man durch schlechten Durchsatz bestraft, weil man keine gute Routing Table erhält. Insofern ist Freenet sehr fair. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass auch ein transient Node durchaus brauchbar sein kann.
Während ich diesen Artikel hier schreibe, ist das Freenetteam daran, Freenet 0.5.2 Final raus zu bringen und bei Slashdot.com Werbung dafür zu machen. Das letzte Mal als dies geschah, war tagelang mit Freenet nix zu machen, also gegen richtige DDoS-Attacken ist das Netz “noch” zu klein.
Ich hoffe mit diesem Artikel den einen oder anderen neuen Node-Betreiber gewinnen zu können, oder zumindest etwas Neugier zu wecken.

Die Frage ist, ja aber brauch ich das wirklich?
Brauchen wir Internet überhaupt? Nein, es ist wirklich "nur" ein weiterer Weg Content zu verbreiten. Ein sehr familiärer Weg, den Beginn des Internets kann man sich wohl ähnlich vorstellen, mit sehr wenigen Leuten, und nicht mit einer Riesen Auswahl an Files wie etwa emule, Kazaa oder WinMX, aber es ist auch nicht zum Filesharen gedacht, auch wenn es dazu missbraucht wird.

Was brauche ich?
Erst einmal den Node, er ist grad frisch in einer neuen Version erhältlich, die deutlich Resourcen schont. Programmiert in Java und erhältlich unter freenetproject.org.
Er ist sowohl für Linux als auch für Windows einfach zu installieren, und die

Standardkonfiguration
ist auch brauchbar. Der Node ist der Weg ins Freenet, er beherrscht das Freenetprotokol, das Freenet Client Protocol zur Kommunkation mit Tools, und es enthält den Sogenannten FProxy, der es ermöglicht, Freenet leicht über einen Browser zu steuern.

Zusätzliche Tools
Ohne zusätzliche Tools wirds im Freenet schnell langweilig, weil man bald alle Seiten kennt, die man für interessant hält und soviel Neues gibt es auch wieder nicht. Alle Tools sind auf der Page von Freenet
erhältlich, manche aber ohne wirkliche Webseite, also nur über Freenet selbst erhältlich.

Fuqid
Fuqid ist ein Up- und Downloadmanager. Für Grosse Files werdet ihr sehr dankbar sein ihn zu haben. Er ist einfach zu bedienen, steht unter GPL und ist in Delphi geschrieben. Er läuft unter Windows
und unter Linux mit Wine. Er hat den Look and Feel einer p2p Software, kann aber nur schon bekannte Keys herunter laden.

FMB
Ein Messageboard für Freenet, meist ziemlich leer, aber relativ schnell. Es besteht kein Support für Binärdateien dafür kann man Schachpartien über Freenet spielen.

Frost
Auch eine bekannte Anwendung, es ist auch ein Messageboard, aber darauf ausgelegt, Files zu sharen. Das Ganze ist in Channels eingeteilt. Wenn man Musik will, muss man also eine der vielen mp3 Gruppen wählen und dann nach Files über die integrierte Suchfunktion suchen. Frost wird sehr rege benutzt und war schon Ziel einiger Flood-Attacken.

FIW
Um ganze Seiten einzufügen ist der Freesite Insertion Wizard am besten geeignet, da er sehr vieles einfach automatisiert. Für einzelne grosse Files empfehle ich Fuqid.
Die Möglichkeiten, die Freenet bietet, sind gross, ob und wie man sie nutzt ist eine andere Frage. Das es nicht legalen Inhalt im Freenet hat ist unbestritten, benutzt dies aber nicht als Ausrede um es nicht ausprobieren zu müssen, auch das http Protokoll wird missbraucht, aber ihr benutzt es trotzdem.
Der Artikel konnte nur ein bisschen an der Oberfläche kratzen, für mehr Infos empfehle ich freenetproject.org und für Anonyme Chats www.invisiblenet.net [Channel #freenet].
„Es ist sinnlos, für freie Meinungsäusserung einzutreten, wenn man nur erlauben will, womit man selbst einverstanden ist.“, Ian Clarke, der „Erfinder“ von Freenet.

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