Hab im Informatikerforum noch einen Link zu einem anderen Indienblog gefunden: interndia der es wohl etwas aus einer andere Perspektive beschreibt weil er in Bangalore ist und dort ein Praktikum macht, ich finds trotzdem noch passend, ihn zu verlinken.
Viele Meiner Berichte sind humorvoll geschrieben aber gerade hier in Indien ist nicht alles lustig. Darum wird das hier etwas ernster, trotzdem darf man gerade darum nicht vergessen auch hier Lebensfreude und einen gewissen Sinn fuer Galgenhumor nicht zu verlieren.
Wie ich das leben hier aber erlebe ist, um es mal noch harmlos zu formulieren: Interessant.
Inder sind sehr kommunikativ, speziell weil ich als Auslaender natuerlich recht gut zu erkennen bin. Und trotz Warnungen im Lonley Planet muss man seine eigenen Fehler machen.
Das erste mal im Mainbazar und man versucht mir schon eine Brille anzudrehen, fuer 950Rs. Ich handle ihn nur auf 800Rs Runter, 20 Franken, weil ich sowieso eine Sonnenbrille wollte und ich zu hoch angefangen hatte mit Handeln. 20% klang ja nicht so schlecht. Danach unterhielt ich mich sehr lange mit einem Indischen Gewuerzverkaeufer. (Ich mache mal Werbung fuer seine Homepage: Der Gewuerzmacher (welche in der Schweiz gemacht wird)) der beobachtet hat wie ich da ueber den Tisch gezogen wurde. Wir unterhielten uns den rest des Abends und lernte jede Menge ueber die Preise, Handeln, Leben in Indien, Heiraten, und vieles mehr)
Er meinte das die Brille wohl 100Rs Wert sei, und hoechstens 150Rs. (2.50 sFr) Was ich kaum glauben konnte... aber ich hatte die Gelegenheit das zu ueberpruefen dazu aber spaeter.
Wie ich im letzten Post schon beschrieben habe, gibt es auch viele Bettler, unerwaehnt liess ich das viele davon Kinder sind.
Ein Erlebnis das mir leider sehr ans Herz ging war ein kleines Maedchen vielleicht 5 oder 6 Jahre das mich angebettelt hatte, ich aber zu dem Zeitpunkt noch kein Indisches Kleingeld hatte, als ich an dem Maedchen vorbei ging hielt sie sich an meinen Beinen fest und schaute mich mit den traurigsten Augen an die ich je gesehen hatte...
Auch an den Ampeln sieht man Kinder betteln oder sich als Scheibenputzer zu betaetigen, und es sind viele...
Armut ist hier allgegenwaertig, und man kann nicht jedem Helfen, und es gibt jede Menge Gauner, aber auch ganz nette, und man wird haeufig charmant ueber den Tisch gezogen. Daraus kann man auch seinen Vorteil ziehen wenn man weiss wie.
Ich zahle in der Zwischenzeit nach Arbeitsaufwand, ich rechne mit etwa 3 Franken pro Arbeitstag Aufwand, weil hier viel mit Aufwaendigen Arbeiten gemacht wird. Den richtigen Preis verraten sie haeufig nicht, aber wieviel Arbeit dahinter steckt damit prahlen die Haendler gerne.
Ich wurd dann auch weiterhin ab und zu gewarnt vor bestimmten Typen, aber schlussendlich mach ich gerne was ich will und ich liess mich auch schon von so einem Jungen (17 Jahre alt) durch die Stadt fuehren. Er war nett ich hab ihm gesagt das ich weiss was er vorhat, und er hat mir gesagt was er dabei verdient. Ich hab seine Quittungen gesehen die er von den Haendlern kriegt dafuer das sie Leute bringen. Es ist unglaublich wie professioniell sie es machen, und da ich Einblick erhielt machte ich den Jungs halt ihren Gefallen und unterhielt mich mit den Haendlern, die pro Zeiteinheit die ich drin verbringe Zahlen. Zumindest teilweise...
In einem Laden wurde ich ueberrascht als mit mir Schweizerdeutsch gesprochen wurde, ein Inder der 7 Jahre in Luzern gelebt hat. Die Preise waren da aber deutlich zu hoch, und meiner Meinung hat er auch bei der Herkunft der Ware gelogen.
An einem Sonnenbrillen verkaeaufer der auch fuer 950Rs seine Brillen verkaufen wollte versuchte ich mal rauszufinden wo der Preis wirklich ist. Ich sagte gleich 150Rs. Und das wollte er nicht, als wir dann aber davon liefen (zu dritt) ging der Preis sogar auf 100Rs runter... (Ich war also wirklich bloed am ersten abend, aber schlussendlich kein allzu grosser verlust, aber bei einem Durchschnittseinkommen von 2Euro pro Tag ein riesen Geschaeft fuer ihn.
Gegen Ende fuehrten sie mich in billigere Geschaefte die es genauso versuchten, selbst wenn ich ihnen ganz offen ins gesicht sagte das sie mich Betruegen wuerden. Trotzdem versuchten sie charmant zu bleiben, und einen Schal von 1800Rs haette ich fuer 300Rs gekriegt wenn er zu dem Zeitpunkt nicht schon ziemlich schlecht drauf gewesen waere...
Es ist also sehr schwierig hier unter die Fassade zu schauen, aber ich hab doch schon einige einigermassen ehrenwerte Leute getroffen und leider auch viel Armut.
Und Abends gibt es genug Zeit zum Nachdenken...
Kommentare (4)
Hallo Thomas
Es ist ein regnischer Sonntag hier und habe deine Texte vereinnahmt. Du lernst offenbar schnell und lernst die rechten Leute kennen. Es erstaunt mich, dass du weisst wies heiraten geht in Indien:) Nun vielleicht lernen wir ja eine hübsche Inderin kennen.
Nun ich würde wenn ich dich wäre, nicht nur einem Inder über die Strasse folgen, sondern würde mich mindestens 5 Leuten anschliessen, dann würde sich vielleicht die Ueberlebenschance erhöhen;)
Es ist für unsere Verhältnisse kaum vorstellbar dass man für Fr. 3.-- einen ganzen Tag arbeitet, da muss man dann sich schnell fragen, wieviel ist der Preis für ein Liter Milch oder 1 kg Brot/Reis usw ist
Herzlichen Dank für deinen ausführlich Bericht und lass dich nicht allzufest von dunklen Augen verzaubern
Liebe Grüsse Papi
.... kann man gar nichts bestellen ;_(
Dennoch wünsche ich Dir eine weiterhin spannende und nette Reise.
greetz
SONIC
Das ist tatsaechlich so :) aber da laesst sich relativ einfach was machen wenn du wirklich Gewuerze importieren willst. Muss sich aber lohnen :) Ich schick grad 5.8kg in die Schweiz.
noi, soviel brauch ich gerad nicht ... ;) –
aber ich hab noch ne tolle nachricht fuer dich, wenn du bald wieder kommst, bin ich wieder auf dem balkan ;);) wenn du irgendwas von da brauchst, sag bescheid – dies mal sinds aber auch höchstens zwei einhalb wochen.