1789, 1848, 2011? die Jasminrevolution
Dieser Tage hört man wieder Expertenberichte aus aller Welt, Tunesien sei ein Einzelfall, die speziellen Umstände des Landes hätten dazu geführt und ist nicht einfach auf andere Länder übertragbar.
Oh wie falsch sie lagen, diese Experten! Ausgerechnet in Tunesien ist es passiert, ein stabiles relativ Reiches Land Nordafrikas. Innert weniger Wochen wurde es destabilisiert und in einer relativ unblutigen Revolution erneuert.
Es ist eine neue Garde von Menschen in den Arabischen Ländern die diesmal einen Wechsel fordern, es sind junge, gut gebildete, demokratische Kräfte. Unpolitisch, ungerichtet aber sehr unzufrieden.
Ist dies der Frühling der Demokratie in arabischen Ländern. Hat die westliche Welt etwas aus lauter Angst vor Terror vergessen das es auch dort moderate und demokratische Massen gibt welche nur darauf warten endlich so zu leben wie wir es schon lange tun?
Leider hat der Westen es verpasst ihre Macht dafür einzusetzen diese Regime zum besseren zu formen. Auch jetzt, wenn auch mit einem mahnenderen Ton als auch schon, werden die Diktaturen geduldet wenn nicht sogar gestüzt. Erst wenn die Bevölkerung gewonnen hat sind sich plötzlich alle westlichen Kräfte einig, "JA, das wollten wir schon immer" ... aber wir konnte nicht?
Wir konnten nicht weil wir zu bequem sind, weil uns unser Wohlstand wichtiger ist als Gerechtigkeit, weil auch heute noch die eigenen die nächsten sind. Die Tunesier haben nun gezeigt, sie haben keine Angst - sie haben für das gekämpft was ihnen wichtig war, aber auch sie haben gewartet über Jahre hinweg.
Eine Revolution geschieht erst wenn der Druck so stark wird dass es explodiert, häufig mit fatalen Folgen für beide Seiten. Wir wissen nicht wie es weiter geht, aber der Prozess einer Demokratisierung Nordafrikas scheint begonnen zu haben - das historische Pendel schlägt aber manchmal zurück. Nach der Französischen Revolution kam Napoléon und der Wiener Kongress, welcher die alte Weltordnung mit einigen Modifikationen wieder herstellte, war auch nur ein kleiner Rückschritt. Schlussendlich war nach der französischen Revolution der Weg frei für ein demokratisches Europa. Auch wenn es teilweise 150 Jahre gedauert hat bis sie stabil wurden.
Ich hoffe es wird nicht mehr so lange für den Arabischen Raum dauern, aber wir können nicht erwarten das die Demokratien von Anfang an funktionieren. Wir sollten helfen, und wir sollten auch sagen wenn wir anderer Meinung sind, und zwar laut und deutlich so das es auch die Bevölkerung sieht!
Die westlichen Staaten haben sich selbst demokratisisert, aber beim demokratisieren des Rest der Welt spielen sie eine niederschmetternd kleine Rolle. Den Osteuropäischen Staaten konnte man die EU anbieten, der heilige Gral der modernen Welt...
was können wir Nordafrika bieten?

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