Die Nationalbank und der Minimalkurs
Es kommt spät - aber schliesslich blieb der SNB nichts anderes mehr übrig als eine untere Grenze zu definieren für den Franken. Der Franken hat zwar die ersten 2 Tage an dieser Linie geklebt, aber gerade im Moment hat der Euro einen Höhenflug auf über 1.21. Die Intervention wirkt also hervorragend, auch wenn wir noch nicht wissen wieviele Devisen die SNB erzeugt hat.
Die SNB war sehr ängstlich nach der ziemlich schlechten Vorstellung als sie den Kurs über 1.40 halten wollten, darum liess sie sich so lange Zeit bis alle Wichtigen Akteure hinter ihr standen, und selbst da wartete sie noch auf den Moment der kleinen Überraschung. Offenbar haben sich einige Hedgefonds zu sicher gefühlt, die 9% veränderung innerhalb von 12minuten dürfte bei manchem dürften unterschiedlichen Quellen zu folge etwa 5.4Mrd Franken verlust (9% auf 60Mrd) eingespielt haben bei kurzfristigen Wetten auf einen noch höheren Franken.
Es dürfte also auch die richtigen getroffen haben welche man an die Wand gedrückt hat. Die Presse, Politik und Ökonomen mit einigen wirklich wenigen Ausreissern sind einhellig der Meinung dass es Richtig und Nötig war, oft wird zwar auf ein Risiko hingewiesen - aber so richtig dagegen war niemand mehr - zumindest in der Schweiz.
Wenn man sich die Kommentarspalten in der Schweizer Presse so ansieht ist dass bei der Bevölkerung etwas anders - auch die Umfragen sind nicht so eindeutig wie sie meines erachten sein sollen. Daher möchte ich einige Punkte einfach mal klären - weil sie immer wieder wiederholt werden, aber schlicht falsch sind - es gibt grosse Missverständnisse wenn es um Währungen und insbesondere die Nationalbank geht.
1.) Die SNB spielt mit dem Volksvermögen.
Die Kantone müssen wohl auf ihre Geldspritze verzichten dieses Jahr. Aber Geld verlieren kann die SNB dabei eigentlich nicht, Sie kauft Euro für 1.20 und wenn der Kurs steigt macht sie gewinn, und wenn der Kurs sinkt macht sie Verlust. Der Kurs kann aber nicht sinken, also wird die SNB Gewinn machen. Sie verliert nur Geld wenn sie keinen Support mehr hat, und Leute die sowas schreiben helfen nicht. Solange die SNB Unterstützung von allen Seiten hat wird sie den Kurs halten können und am Ende damit wieder Geld machen, das kriegen dann wahrscheinlich sogar wieder die Kantone etwas - auch wenn ich nicht begeistert bin das die Nationalbank die Kantone querfinanziert.
Das Angebliche Volksvermögen ist übrigens in einer spezialrechtlichen AG, die SNB ist kein Teil des Staates - sie ist unabhängig, wie übrigens alle Nationalbanken: EZB, FED, Norwegische Zentralbank...
2.) Wenn das schief geht ist die SNB Bankrott.
Hier machen wir es kurz und Schmerzlos - die SNB druck Geld, sie kann nicht Pleite gehen. Auch ein Negatives Eigenkapital ist für die SNB per se kein Problem. Es sieht nur unschön aus in der Bilanz. Es wird sicher Hildebrand den Kopf kosten - aber die SNB wäre weiterhin uneingeschränkt Handlungsfähig.
3.) Nur Gold (Silber, Platin) ist eine "sichere" Währung.
Hier liegt die Annahme zugrunde dass Dinge mit einem inherenten Wert besser sind als Papier. Gold hat den Wert nur dank der seltenheit des Elements. Das Element selber ist nichts besonderes, man kann es nicht essen, zum Bau ist es ungeeignet - Gold wird nur für Elektronik und Schmuck verwendet. Der Wert von Gold von einem Objektiven Standpunkt gesehen ist äusserst begrenzt, und kann meist von anderen Metallen auch erfüllt werden.
Wenn sich keiner für Gold interessieren würde wäre es wertlos, genau wie Papiergeld.
Jetzt hat es aber bereits diesen Wert und die Leute glauben gerade wieder dran - das war aber gut 30 Jahre lang anders. Gold wurde weniger wert, real und nominal gegenüber Papierwährungen. Der Goldpreis fiel von über 600$, 1980 auf unter 300$, 2002 Heisst das nun Papiergeld war sicherer? Ach der umkehrschluss gilt nicht? Seh ich auch so - der Momentane Höhenflug ist eine Blase - die Leute haben zuviel Geld und glauben damit gewinn zu machen, bis die Blase platzt. Bei Silber ist es bereits teilweise passiert, Auch hat Gold den Preis von Platin durchbrochen - Gold ist ein institutionalisiertes Monetäres Gut - nicht unähnlich zu Fiat-Geld - es wird mehr gezahlt als es eigentlich Wert ist.
4.) Der Euro ist kurz vor dem Untergang und gibt es in 2 Jahren nicht mehr.
Meine Lieblingsaussage, die hört man so oder in der Art bereits seit die Griechenlandkrise gestartet hat. Der Euro ist immernoch bei 1.40CHF gegen den USD, das verhältnis war mal umgekehrt. Ein grossteil der Welt sieht den Euro also immernoch als eine starke Währung. Kein Wunder, Europa ist Nettoexporteur, hat eine gute Infrastruktur und gut Ausgebildete Arbeiter.
Langfristig wird der Euro noch wichtiger - er ist bereits als Reservewährung stark gefragt, der CHF ist übrigens kaum als Reservewährung genutzt, da ist er unwichtiger als noch vor 20 Jahren.
Wer lust hat darf mit mir hier wetten: Einsatz 1:1 - ich nehme Wettangebote an welche behaupten der Euro existiert am 8.9.2013 nicht mehr.
5.) Der Euro ist nun fix gebunden bei 1.20CHF
Ja diese Aussage ist schon fast veraltet, da sie bereits ad absurdum geführt wurde. Damit wären bereits einigen Kommentatoren vor Augen geführt worden dass sie keine Ahnung haben. Ich befürchte jedoch sie werden anderen Unsinn weiter mit Inbrunst verbreiten.
http://www.cash.ch/boerse/kursinfo/fullquote/Currency-Dealings/897789/148/1
Ahja - der Euro ist auf 1.2117 - soviel zu "FIX" gebunden. Er wird vielleicht noch ein paar mal auf 1.20 Zurück stürzen aber langfristig wird der Kurs steigen.
6.) Wir finanzieren nun die Pleitestaaten
Das ist eine der Witzigeren Äusserungen insbesondere da die EZB genau das Gegenteil befürchtet und zwar da die SNB wohl nur AAA Titel kauft sich die Zinsdifferenz zwischen den stabilen und den instabilen Ländern wieder vergrössert und die EZB noch mehr Anleihen von Pleitestaaten kaufen muss.
Die EZB ist ingesamt nicht so glücklich mit der Aktion der SNB, aber sie wird nichts dagegen unternehmen.
7.) Jetzt gibts (Hyper)Inflation.
Die SNB kann jederzeit die Geldmenge welche sie in den letzten Wochen geschaffen hat wieder abziehen, das Timing mag nicht ganz einfach sein, aber Bei einer Momentanen inflationsrate unter 1% und dem tiefen Euro ist die Gefahr einer Deflation nicht zu unterschätzen, welche wesentlich gefährlicher ist.
Als der Kurs gegen die Mark gehalten wurde gab es danach einen kurzen Inflationsphase. Die Inflation war aber moderate 7%, das ist relativ viel heute ist aber mit Hyperinflation nicht zu vergleichen. Die Angst ist unbegründet - Europa hat seit Jahrzehnten weniger Inflation als die USA.
8.) Wir brauchen wieder Goldgedeckte Währungen.
Diesen Unsinn hört man immer wieder - dass wir die erfolgreichste Wirtschaftliche Zeit haben seit es keine Goldwährungen gibt wird dabei oft vergessen. Was aber noch schlimmer ist, es ist noch keine 50 Jahre her als Bretton Woods auseinander fiel. Goldwährungen können nicht mit der Wirtschaft mithalten.
Goldwährung ist gescheitert, IMMER und IMMER wieder. Es gab mit Goldwährungen genauso Staatsbankrotte und sogar vor dem Zusammenbruch meist hohe Inflation. Goldwährungen führen zu enormen ungleichgewichten welche niemand mehr steuern kann.
Goldwährungen sind natürlich auch wegen Punkt 3 keine Lösung.
9.) Negativzinsen wären viel besser!
Ich halte Negativzinsen für nichts schlechtes - Reale Negativzinsen gibt es schon lange und ob man 0.0% kriegt oder 0.1% zahlt ist eigentlich irrelevant, da gibt es keinen fundamentalen Unterschied. Trotzdem aus mir unerfindlichen Gründen wird das gerne als des Teufels gesehen. Es macht fundamental nur in den Köpfen einen Unterschied, auf realwirtschaftlichen daten ist es einfach eine weitere Senkung der Zinsen, sie werden einfach ins Negative gesenkt.
Trotz diesem Punkt, Negativzinsen hätten nichts gebracht, die Zinsen wurden ja bereits gesenkt und die Erfolge waren recht bescheiden, auch wenn der Zinsatz teilweise bereits Negativ war. Es ist auch klar warum, das Geld welches gewechselt wird, wird nicht gelagert. Daher gibt es keine Strafe für das wechseln in Franken. Negativzinsen schrecken daher niemanden ab bei freiem Kapitalverkehr.
10.) Der Steuerzahler zahlt drauf / Der Konsument zahlt drauf
DIe Aussage gibt es in duzenden Varianten - im allgemeinen gehts eigentlich darum zu sagen dass die Person selbst angst davor hat danach schlechter gestellt zu sein. Es ist eine Reaktion von Egoismus. Offenbar haben Leute welche viel haben auch angst viel zu verlieren - das führt wohl dazu dass wir das ängstlichste Volk geworden sind. Das aber nur am Rande - der Punkt selbst ist trotzdem falsch - zumindest wenn man die Gesamtwirtschaft ansieht und Punkt 1 verstanden hat.
Dass einer welcher nach Deutschland fährt jetzt mehr zahlen muss stimmt zwar - dass er aber immer noch 30% weniger Zahlt als vor 2 Jahren das ist ja offenbar leicht zu vergessen. Hier geht es auch eher drum dass sich eine breite Bevölkerungsschickt übergangen fühlt, verraten von den Banken und deren Managern welche viel Geld verdient haben, grosse Fehler gemacht haben und dafür nicht bezahlen mussten. Sie glauben sie müssen für alles gerade stehen und der "Reiche" eben nicht. Ich finde auch nicht alles gerecht - doch die SNB macht diesen Schritt gerade für die Wirtschaft und damit für den Konsument und Steuerzahler. Der Egoismus ist grenzenlos "Ich arbeite bei X der exportiert nichts" - dabei wird aber vergessen dass auch x von Menschen bezahlt wird welche vielleicht etwas exportieren.
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Es ist klar dass in Kommentaren oft viel Unsinn steht - leider gibt es auch einige "Experten" welche von der Materie keinerlei Ahnung haben und einfach ihre Weltpolitische Einstellung rausposaunen selbst wenn sie wissen dass sie wiederlegt ist. Untergangspropheten haben gerade Hochkonjunktur - ist es den Menschen denn wirklich zu langweilig wenn die Erde gerade nicht untergeht? Geniesst doch das Leben!

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